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Geschichte der Wasserkraft

Wasserkraft dient seit dem Altertum dem Menschen zur Kraftgewinnung. Dabei lieferte sie Kraft zur Be- und Entwässerung, zum Antrieb von Mahl-, Säge- und Hammerwerken und vielem mehr.

Die Diversität der Arbeiten, die direkt mit der Kraft des Wassers unterstützt wurden, erreichte im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit einen Höhepunkt und sicherte damit die Versorgung und den steigenden Wohlstand einer schnell wachsenden Bevölkerung.

Im 19. Jahrhundert stellte die Wasserkraft die Zentren der Industrialisierung dar. Vor dem 2. Weltkrieg existierten in Deutschland rund 80.000 Wasserkraftanlagen. Jedoch wurden durch Kohlekraft und später im 20. Jahrhundert durch den Einsatz von Verbrennungsmotoren und durch Kernkraft viele Anlagen verdrängt bzw. stark reduziert.

Seit der Produktion von elektrischen Stromes ab Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts ist die Verwendung des Stromes nicht mehr an den Ort der Kraft- bzw. Energieerzeugung gebunden und die Zahl der Nutzungen hat bis heute eine große Vielfalt angenommen. Durch die Digitalisierung und fortschreitende Automatisierung ist der Bedarf an Strom weiter angestiegen und die bevorstehende Elektromobilität wird den Bedarf an stetigem, regionalem und vor allem regenerativem Strom noch erheblich erhöhen. Mit der Trennung der Stromerzeuger von den Netzen und dem Vertrieb seit 2004 kann Wasserkraft von jedermann aus unseren Netzen bezogen werden. So besteht heute Ökostrom bei vielen Anbietern zu einem hohen Prozentsatz aus Wasserkraftstrom und jedermann kann seine eigene Energiewende durch Wechsel zu einem guten Ökostromanbieter selbst vollziehen. Dies wird jedoch leider viel zu wenig wahrgenommen.

Traditionell wird Strom aus Wasserkraft auch ortsnah vermarktet. Dies trifft für viele Erzeuger wie Mühlen oder industrielle Wasserkraftanlagen zu, die den Strom auch selbst verbrauchen oder ins nahe Umfeld liefern.

 

In Deutschland waren Ende des Jahres 2006 7.300 Anlagen aktiv und leisteten 2007 zur gesamten Stromerzeugung einen Beitrag von 3,4%. In Österreich sind es ca. 56,6% und in der Schweiz ca. 52,2 %. In Deutschland decken Wasserkraftwerke derzeit ca. 4% des deutschen Strombedarfs. 1950 waren es noch ca. 20% gewesen. Ursächlich für diesen Rückgang war der seit 1950 stark gestiegene Stromverbrauch, weshalb der relative Beitrag der Wasserkraft im genannten Zeitraum trotz des Neubaus von Wasserkraftwerken absank. [Wikipedia]

 

Das Modernisierungs- und das Ausbaupotential der Wasserkraft wird allgemein unterschätzt. Aufgrund der langen Historie bergen viele Standorte ein teils erhebliches Modernisierungspotential. Dies bedeutet, dass bei gleichzeitiger Erfüllung der wasserrechtlichen Vorgaben (Fischaufstieg, Fischabstieg, Fischschutz, Mindestwasser, ...) die Stromproduktion zum Teil erheblich gesteigert werden kann. Dieses Potential ist je nach Standort und Erhaltungszustand sehr unterschiedlich. Die Praxis zeigt, dass dies im Allgemeinen zwischen 20% und 200% Steigerung der bisherigen Produktion liegt.

Für viele kleine Anlagenstandorte besteht diese Möglichkeit jedoch nicht bzw. ist nur mit einer erheblichen Investition zu erreichen. Zu den Modernisierungskosten der Kraftanlage kommen erhebliche Kosten für den Fischaufstieg und die Verluste aufgrund des abzugebenden Mindestwassers. So werden auch weiterhin kleine Standorte aufgegeben werden und diese private Infrastruktur für eine nachhaltige, regionale, regenerative und stetige Stromprodunktion mit dem teils Jahrhunderte alten Kulturgut der Mühle und den gewässerökologischen Vorteilen der Mühlgräben in einer Kulturlandschaft unwiederbringlich verschwinden.

Gleichzeitig besteht ein erhebliches Neubaupotential an ungenutzten Staustufen der Mittelgebirgsflüsse, aber auch an Ausläufen von Kläranlagen, Trinkwassergewinnungsanlagen, Schifffahrtskanälen u.v.m. Die Praxis zeigt, dass dieses Steigerungspotential bei wirtschaftlicher Erschließung unter den derzeit sehr schwierigen Genehmigungsvoraussetzungen für einen Mittelgebirgsfluss zwischen 10% und 20% betragen kann.

 

Die Arbeitgemeinschaft Hessischer Wasserkraftwerke setzt sich dafür ein, die bestehenden Modernisierungs- und Zubaupotentiale nutzbar zu machen. Die technischen Möglichkeiten des Fischschutzes und der Fischwegigkeit ermöglichen unter dem strengen Regime der Wasserrahmenrichtline eine ökologisch sehr verträgliche Umsetzung der Wasserkraftnutzung.