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Kritische Fragen und Antworten zur Wasserkraft

 

 

Ist Wasserkraft verantwortlich für den Bestand der Querbauwerke / Wehre und verhindert sie damit die Durchgängigkeit?

 

Wehre bestehen zu allermeist aus anderen Gründen als der Wasserkraft. In Hessen gibt es über 18.000 Wehre, von denen aber nur ca. 550 von der Wasserkraft mitbenutzt werden. Durchgängigkeit lässt sich gerade mit Wasserkraft an Wehren gut herstellen.

Querbauwerke sind Aufstauungen im Gewässer unterschiedlicher Größe. In Hessen existieren davon ca. 18.000, wobei es nur 623 Wasserkraftanlagen in Hessen gibt. Da sich auch oftmals mehrere Wasserkraftanlagen ein Querbauwerk teilen, werden nur ca. 550 dieser 18.000 Querbauwerke tatsächlich für die Wasserkraft genutzt. Mit der zunehmenden Nutzung günstiger fossiler Energien ist der Bestand an Wasserkraftanlagen in den letzten 80 Jahren auf ca. 1/10 des ursprünglichen Bestandes zurückgegangen und viele der Wehranlagen sind verfallen oder werden nicht mehr genutzt. Gleiches gilt für Wehranlagen, welche zur Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen gebaut wurden. Die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft mit dem Einsatz von moderner Agrochemie macht eine Bewirtschaftung von Be- und Entwässerungsgräben in Auenlandschaften wirtschaftlich zunehmend unattraktiv.

Wehre wurden jedoch ebenso gebaut, um die Mäandrierung (Verzweigung und schlingenartiger Verlauf) von Gewässern zu reduzieren und die Auen überhaupt zur Besiedelung und zur Landwirtschaft nutzen zu können. Alle unsere großen Städte und viele unserer Industrie- und Gewerbestandorte, wie Straßen und Bahntrassen befinden sich in ehemaligen Auengebieten, aus welchen die Gewässer ausgesperrt worden sind. Die Verkürzung der Gewässerverläufe kann in diesen Fällen nur durch den Energieabbau an Wehren ermöglicht werden. Auf diese Weise wird neben der Hochwasserschutzfunktion auch eine sonst eintretende Tiefenerosion und eine Absenkung des Grundwasserspiegels vermieden. Die intakte Verbindung vom Fließgewässer zu dem Grundwasserkörper der Aue ist nicht nur für die Trinkwassergewinnung enorm wichtig, sondern auch für die Standsicherheit aller Bauwerke in diesem Bereich.

Neben dem Energieabbau bei Hochwasser ist die Wasserrückhaltung, also das zu schnelle Abfließen von Nachteil. Die Querbauwerke sorgen daher für Retentionsvolumen, welches bei einem Hochwasserereignis zunächst vollläuft, um einen zu starken Abfluss zu vermeiden und den Abfluss zeitlich zu verzögern.

Die Querbauwerke haben also wichtige Funktionen im allgemeinen Interesse, die nicht mit der Wasserkraft zusammenhängen. Viele dieser Querbauwerke sind daher nicht rückbaubar und auch eine Absenkung der Bauwerke ist aus Gründen des Hochwasserschutzes aufgrund der menschlichen Nutzung der Auen unmöglich.

Zudem gibt es Techniken wie Fischauf- und -abstiegsanlagen, welche bei sehr guten funktionalen Eigenschaften den Eingriff des Querbauwerkes in Bezug auf die aquatische Durchgängigkeit nahezu aufheben. Einige Bespiele dieser Techniken finden Sie hier: (Verweise)

 

 

Ist Wasserkraftstrom leicht durch Wind- oder Solarstrom ersetzbar?

 

Durch den stetigen Charakter der Stromproduktion ist sie im Kreis der Erneuerbaren Energien lediglich durch Biogas oder Deponiegas zu ersetzen. Wasserkraft ersetzt direkt die Grundlast aus Kohle- und Kernkraftwerken. Dies zeigt auch, wie wichtig es zukünftig sein wird, Wind- und Solarstrom durch Speicher zu verstetigen.

Wasserkraftstrom ist stetig. Selbst kleine Wasserkraftanlagen haben im Mittel 4.500 Volllaststunden pro Jahr. An Mittel- und Unterläufen der Mittelgebirgsflüsse erreichen mittelgroße Anlagen bis zu 7.500 Volllaststunden pro Jahr. Dieser Strom vermeidet daher unmittelbar Grundlaststrom, welcher von zumeist weit entfernten Kohle- oder Atomkraftwerken mittels Übertragungs- und Verteilernetzen erst zur Verfügung gestellt werden muss. Wasserkraftstrom trägt daher zusätzlich zur Stabilisierung der Netze bei.

 

Im Gegensatz dazu liefert Windenergie ca. 1.800 und Solarenergie nur ca. 1.000 Volllaststunden pro Jahr. Die Verstetigung dieser stark volatilen Produktion ist daher eine unabdingbare Voraussetzung für die weitere erfolgreiche Entwicklung der Energiewende.

 

Wasserkraftstrom ist daher mit Wind- oder Solarstrom nicht zu vergleichen und auch nicht durch ihn ersetzbar. Für eine erfolgreiche Energiewende werden die Anstrengungen aller regenerativen Energien gebraucht.

 

Ist Wasserkraft nur mit hohen Subventionen rentabel?

 

Die wirtschaftliche Situation der Wasserkraft ist sehr stark vom Standort abhängig. Sie ist jedoch weder von Unwirtschaftlichkeit noch von Zuwendungen und keinesfalls von Subventionen geprägt.

Hierbei ist anzumerken, dass es sich bei der EEG-Umlage, die fast alle erneuerbare Stromproduzenten erhalten, um eine Förderung und keine Subvention (also Steuermittel) handelt.

 

Wasserkraft wird nach dem EEG mit 3,47 -12,4 Cent pro Kilowattstunde vergütet. Die Staffelung erfolgt nach Größe und nach gewässerökologischen Kriterien. Der Durchschnittsstrompreis für Privathaushalte liegt dagegen derzeit bei ca. 29 Cent/kWh. (Hier kann man sich berechtigterweise fragen, wo die Differenz zu suchen ist, was jedoch hier nebensächlich ist.)

 

Bei Anlagen > 100 kW wird ein Teil des Stromes direkt an der Börse vermarktet (Direktvermarktung). Ein kleiner Teil des Stromes wird direkt an benachbarte Abnehmer geliefert (Eigenvermarktung) oder auch von gleichzeitig Gewerbetreibenden selbst genutzt. Der allergrößte Teil des Wasserkraftstromes wird jedoch außerhalb des EEG über eigene Lieferverträge vermarktet, was üblicherweise nicht auf die Kleinwasserkraft zutrifft.

 

Bei dem Vergleich von verschiedenen Stromerzeugungsmethoden und dem Anspruch, die Umweltschäden in die Rentabilität mit einzubeziehen, wird jedoch schnell deutlich, dass konventionelle Stromerzeugungsmethoden wie Kohle- und Kernkraft vollständig unrentabel sind. Insbesondere die Kernkraft ist nur durch massive Subventionen nutzbar gemacht worden und wird nach wie vor betrieben. Diese Subventionen werden auch noch von vielen zukünftigen Generationen getragen werden müssen, ohne jeglichen Nutzen zu haben. Gleiches gilt für die Kohle, wobei hier insbesondere die Kosten der Klimaveränderung zukünftig an vorderster Stelle stehen werden. Beispielsweise sorgt alleine die nun endlich abgeschlossene Steinkohleförderung im Ruhrgebiet für jährliche Kosten von ca. 1 Mrd. € alleine für die Wasserhaltung des giftigen Grubenwassers. Diese Aufwendungen werden ebenfalls zukünftigen Generationen für alle Zeit aufgebürdet.

 

Die Erneuerbaren Energien tragen dagegen zu einen volkswirtschaftlichen Gewinn bei, welcher seit ca. 10 Jahren jährlich im zweistelligen Milliardenbereich liegt. Zu diesem Resultat trägt auch die Wasserkraft deutschlandweit mit ca. 10% bei. Erneuerbare Energien werden praktisch vollständig aus Privatinvestitionen heraus finanziert. Dies gilt insbesondere für die Wasserkraft, die damit unter den Erneuerbaren einen Vorreiter bzgl. regionaler Wertschöpfung und auch Langlebigkeit darstellt.

 

Auf betriebswirtschaftlicher Ebene ist zu berücksichtigen, dass die Wasserkraft die einzige Erneuerbare Stromerzeugung ist, welche mit einer Historie aufwartet. Durch die Hochzeiten der fossilen und atomaren Stromproduktion in den vergangenen Dekaden sind Instandhaltungsmaßnahmen bei der Wasserkraft oftmals unterlassen worden und nun kommt aufgrund der erheblich gestiegenen naturschutzrechtlichen und gewässerökologischen Anforderungen eine doppelte Belastung dazu, welche die Besitzer der bestehende Anlagen zu schultern haben. Es sind also sowohl technische als auch ökologische Modernisierungen zu leisten.

In der Praxis zeigt sich Schätzungen nach, dass in Hessen jährlich ca. 10 – 15 Anlagen modernisiert und etwa eine Neuanlage gebaut wird. Gleichzeitig verfallen auch Anlagen, und Wasserrechte werden in großem Umfang zurückgegeben, da Auflagen drohen und die Eigentümer im ländlichen Bereich nicht über entsprechendes Kapital verfügen, um den Bestand der Anlage für die nächsten Jahrzehnte sichern zu können.

 

Insgesamt ist zu sagen, dass die wirtschaftliche Situation sehr stark vom Standort abhängig ist, jedoch weder von Unwirtschaftlichkeit noch von Zuwendungen geprägt ist.

 

Ist Wasserkraft verantwortlich für schlechten Fischbestand?

Der Einfluss der Wasserkraft spielt hinsichtlich der Fischbestände nur eine untergeordnete Rolle. Moderne Wasserkraftanlagen haben nachweislich keinerlei negativen Einfluss auf den Fischbestand. Die Wasserkraftnutzung ist damit als einzige Nutzung mit den strengen Vorgaben der WRRL vereinbar. Die Gründe für schlechte Fischbestände bestehen hingegen hauptsächlich in chemischen Einleitungen. Hier stehen vermutlich Stoffgruppen aus der pharmazeutischen Umfeld an vorderster Stelle.

Die Zahl der Wasserkraftanlagen hat sich in den letzten 90 Jahren auf 1/10 des ursprünglichen Bestandes verringert (von ca. 80.000 auf ca. 7.600 in Deutschland). Die verbleibenden Anlagen werden zunehmend mit modernem Fischschutz, Fischaufstieg und Fischabstieg ausgerüstet und erfahren eine ständige Verbesserung. Dennoch haben sich die Fischbestände im gleichen Zeitraum stetig verschlechtert. Alleine aus diesem offensichtichen Grund können nicht Wasserkraftanlagen für den Rückgang verantwortlich sein.

 

Das Beispiel Aal:

Der Aal war noch in den 80er-Jahren in vielen Gewässern ein Massenfisch. Nun ist er bedroht, obwohl sich die gewässerökologische Situation an den Wasserkraftanlagen seitdem teils erheblich verbessert hat. Auch wenn den wenigen verbleibenden nicht modernisierten Wasserkraftanlagen in Hessen aufgrund der Körperproportionen des Blankaales eine selektive Wirkung zugesprochen wird, hat der Rückgang der Aalpopulation vorwiegend maritime Gründe. Aus wissenschaftlicher Sicht sind diese in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit (vgl. G. Ebel, Fischschutz und Fischabstieg an Wasserkraftanlagen, S. 41):

 

- ozeanische Faktoren

- Krankheiten/Parasiten

- Kormoranprädation (auch bevorzugt durch den Klimawandel)

- Gewässerverunreinigung

- Habitatdegradation

- fischereiliche Nutzung (durch Glasaalfang sowie durch kontinentale Befischung des geschützten Aales, teils als Hauptertragsfisch)

- wasserkraftbedingte Mortalität (Maßgeblich für die Auslegung des Fischschutzes an Wasserkraftanlagen)

 

Moderne Wasserkraftanlagen mit Fischschutz (Feinrechen) und Fischwegen haben keinen Einfluss mehr auf den Fischbestand. Dies gilt auch für diadrome Arten wie Lachs und Aal sowie eine Anlagenkette.

 

Hauptverantwortlich für den Rückgang der Fischpopulationen sind die Einleitungen von schädlichen Stoffen aus Industrie, Pharmazie, Landwirtschaft über Punktquellen wie Klärwerke oder diffuse Quellen. Dies hat in den vergangenen Jahren immer weiter zugenommen und nimmt laut einer australischen Studie bedrohliche Zustände an (vgl. Erinn K. Richmond et al., A diverse suite of pharmaceuticals contaminates stream and riparian food webs, Nature Communication 9.2018). Hier wird die extreme Anreicherung von pharmazeutischen Wirkstoffen in Wasserinsekten erstmals nachgewiesen. Da diese insbesondere den Fischen als Hauptnahrung dienen, reichern sich Schmerzmittel, Betablocker, Antidepressiva u.s.w. insbesondere in Tieren an, die im Wasser und auch am Ufer leben. 96 von 98 untersuchten Substanzen konnten in teils erheblicher Konzentration nachgewiesen werden. Experten des BMU gehen davon aus, dass diese Ergebnisse auch für Deutschland zutreffen.

 

Ebenso hat die unkontrollierte und teils erhebliche Entnahme von Fischen durch die Angelfischerei eine Auswirkung auf die Bestände. Neben der Entnahme geschützter Arten wie dem Aal ist auch das Fischen in FFH-Gebieten erlaubt. Die Angelfischerei entnimmt insbesondere große adulte, laichreife Tiere und löscht damit ganze zukünftige Generationen aus, was für den Fortbestand der Arten in einem Gewässerabschnitt von erheblicher Relevanz sein kann. Die verbreitete Besatzpraxis ist gleichsam wie die vorgenannten Punkte keinesfalls mit den Zielen und den Vorgaben der WRRL (Verschlechterungsverbot und Verbesserungsgebot) vereinbar. Da es in Hessen keine Hegepläne gibt, welche die Fischbestände beziffern und damit die nachhaltige Entnahme fundiert begrenzen und auch eine gute Besatzpraxis regeln würden, ist der fischereilichen Nutzung leider vermutlich ein großer Beitrag in Bezug auf den Zustand der Fischbestände und insbesondere auch der des Aales beizumessen.

 

Leistet Kleinwasserkraft überhaupt einen nennenswerten Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz oder zur Stromproduktion bzw. Energiewende?

 

Gerade Wasserkraft eignet sich besonders zum Einsatz in kleinem Maßstab. Lediglich fünf Kleinwasserkraftanlagen mit einer Leistung < 50 KW können gemeinsam 1 GWh stetigen, regionalen Stromes erzeugen und versorgen damit im Mittel ca. 280 Haushalte mit 3 Personen. Die Reduktion von Abfall und Emissionen im Vergleich zum deutschen Strommix beträgt dabei jedes Jahr:

 

– Kohlendioxid 576 t                               Quelle: BMU 2012

– Schwefeldioxid 28 t                              Quelle: Hohmeyer Berlin

– Flugasche und Schlacke                      Quelle: 579 t Hohmeyer Berlin

– schwermetallige Stäube                      Quelle: 868 kg Hohmeyer Berlin

– Grundwasser 8 Mio l                            Quelle: Hohmeyer Berlin

– radioaktiver Abfall 700 g                     Quelle: Lichtblick 2014

Rohstoffeinsparung im Vergleich zum Kohlestrom bei derzeitigem deutschem Kraftwerkspark:

Bei der Produktion mit Steinkohle:

SKE / Petrolkoks 323 t                           Quelle: Hans-Dieter Schilling

oder bei der Produktion durch Braunkohle:

Braunkohleäquivalent 970 t                  Quelle: Hans-Dieter Schilling

 

Da der stetige Wasserkraftstrom in Deutschland zum allergrößten Teil nur durch Kohlestrom ausgeglichen werden kann, vermeiden diese fünf Mühlen/Kleinwasserkraftanlagen also durch ihre Stromerzeugung den Verbrauch von 160 Lkw-Sattelschlepper-Ladungen Braunkohle mit allen zusätzlichen Eingriffen des Braunkohleabbaus in Natur und Umwelt.

 

 

Können Fische Wasserkraftanlagen nicht unbeschadet passieren?

 

An modernisierten Anlagen ist der Fischschutz so gut, dass die Anlagen keinen negativen Einfluss auf den Fischbestand mehr haben.

Die Techniken bzgl. Fischschutz und Fischabstieg sind mit dem Feinrechen mit Leitfunktion und vollkommen gefahrlosem Fischabstieg derart weit entwickelt, dass ein negativer Einfluss auf den Fischbestand auszuschließen ist. Dies gilt auch im Hinblick auf Langdistanzwanderfische wie den Lachs und den Aal und eine Kette von modernisierten bzw. neuen Wasserkraftanlagen.

Kleine Wasserkraftanlagen sind oft mit moderneren Fischwegen und Fischschutz ausgestattet, während bei großen Anlagen > 1 MW die Investition in eine ökologische Modernisierung oft noch gescheut wird bzw. technisch nicht so leicht möglich ist. Derzeit wird an Lösungen für große Kraftwerke mit einem Durchfluss > 50 m³/s gearbeitet, um die größeren hessischen Kraftwerke z.B. am Main ebenfalls modernisieren zu können.

 

Ist Wasserkraft verantwortlich für Methanproduktion, die den Klimawandel fördert?

 

Der Beitrag der Wasserkraft zu Methanproduktion ist vollkommen unwesentlich und wird durch die klimaschonende Eigenschaft der CO2-Vermeidung bei weitem übertroffen.

Methan ist der Hauptbestandteil von Erdgas und ist in überaus großen Mengen im Meeresboden und im Permafrostboden gespeichert. Es entsteht in Deutschland insbesondere durch Viehhaltung (Wiederkäuer), im Abfallbereich, und beim Kohleabbau (Grubengas). Es ist ein kurzfristig sehr stark wirkendes Klimagas, welches eine vielfach höhere Wirkung als CO2 besitzt (ca. 20-30fach höher).

 

Methan entsteht auch in allen Gewässern, in denen sich Sedimente ablagern und Fäulnisprozesse unter anaeroben Bedingungen einsetzen. Dies gilt für alle Seen und gering durchströmte Gewässer. So auch für Rückstaubereiche von großen Flüssen, welche durch Querbauwerke aufgestaut werden. Es gilt ebenso für alle Flüsse der norddeutschen Tiefebene und alle Schifffahrtskanäle.

 

Abgesehen von der Tatsache, dass die Querbauwerke in Hessen zum allergrößten Teil aus anderen Gründen als der Wasserkraft bestehen, nur ca. 550 von 18.000 werden u.a. für Wasserkraft genutzt, hat die durch die Wasserkraft herbeigeführte CO2-Einsparung eine weit größere Bedeutung für den Klimaschutz als die vermeintlich durch sie verursachte Methanproduktion (vgl. Prof. Lorke, Andreas Lorke, Andreas Mäck, Methanemissionen aus Flussstauhaltungen: Was ist der Klimaschutzbeitrag der Wasserkraft?, 2013).

 

Ist die Atomkraft für die Gewässer weniger schädlich als die Wasserkraft?

 

Insbesondere für Gewässer sind die großen thermischen Kraftwerke eine hohe Belastung und ihre Wirkung und die Risiken mit dem geringen Eingriff der Wasserkraft nicht vergleichbar.

Kühltürme von thermischen Kraftwerken wie Kohle- oder Atomkraftwerke benötigen große Mengen Kühlwasser, welches – im Gegensatz zur Wassernutzung bei Wasserkraftanlagen – tatsächlich verbraucht wird (verdunstet) und danach nicht mehr zur Verfügung steht. Jegliche Biomasse, welche sich im Kühlwasser befindet, wird dabei abgetötet.

 

Vor den Einläufen vor Atomkraftwerken gibt es keinen Fischschutz, der dem einer Wasserkraftanlage vergleichbar wäre. Grund hierfür ist, dass ein wirksamer Fischschutz im Falle der Verlegung durch Schwemmgut zu einer Havarie des Atomkraftwerks führen könnte.

 

Das von thermischen Kraftwerken wieder eingeleitete Wasser ist gegenüber dem vorher entnommenen Wasser erheblich erwärmt. Die Wärmelast der Rheins wird vorrangig von Kraftwerken erzeugt. Man geht von einer Temperaturerhöhung von 1,5 – 2°C aus. Diese ständige Temperaturerhöhung hat einen maßgeblichen Einfluss auf das gesamte Ökosystem des Flusses. Ebenso haben wir ständige radioaktive Verunreinigungen insbesondere in der Mosel aber auch im Rhein, welche aus Kraftwerken stammen.

 

Die wirklichen Gefahren der atomaren Stromproduktion für die Wasserkörper stehen uns jedoch noch bevor. Dies ist der Einfluss der Lagerstätten auf die Grundwasserkörper. Dieses Problem wird zukünftige Generationen beschäftigen und enorme Kosten und Aufwendungen erzeugen.

Verringern viele Wasserkraftanlagen die Fließgeschwindigkeit? Entzieht dies vielen angepassten Fischen, Insekten und Vögeln die Lebensgrundlage? Wird durch Wasserkraft der Sedimenttransport verringert und durch die Stauung das Fließgewässer erwärmt?

 

Nicht die Wasserkraftanlagen sind für die Verringerung der Fließgeschwindigkeit vor dem Wehr verantwortlich, sondern die Wehre selbst oder auch Querbauwerke genannt. Diese dienen zuallermeist primär anderen Zwecken als der Wasserkraftnutzung wie z.B. Städtebau, Besiedlung, Infrastruktur, Hochwasserschutz, Schifffahrt, Bewässerung, Tourismus u.v.m.

 

In Hessen existieren mehr als 18.000 Querbauwerke, während lediglich ca. 550 davon für die Wasserkraft teils nur mitbenutzt werden. Diese wenigen mitbenutzten Wehre bestehen zu allermeist jedoch aus anderen Gründen als der Wasserkraft. Der Aufstau und seine Auswirkungen stehen daher zwar in einem Zusammenhang mit der Wasserkraftnutzung, jedoch würden sie auch ohne Wasserkraftnutzung zu allermeist fortbestehen müssen.

 

Wasserkraftnutzung wirkt sich im Zusammenhang mit nicht rückbaubaren Querbauwerken ausnahmslos positiv auf die Situation an einem bestehenden Wehr aus. Durch eine Wasserkraftanlage erhöhen sich die Fließgeschwindigkeiten an einer Staustufe, und der Sedimenttransport nimmt ebenfalls geringfügig zu gegenüber dem Wehr ohne Wasserkraftnutzung.

Generell unterscheidet sich die Situation in einem Rückstaubereich nicht von der eines Flachlandflusses (Brachsen oder Kaulbarschregion) oder auch Teilen einer Barbenregion. Die Rückstaubereiche, also die durch Querbauwerke fragmentierten Gewässer, tragen sogar in Äschen- und Forellenregionen zu einem signifikant besseren Fischbestand bei, was eine wissenschaftliche Auswertung der amtlichen Befischungsergebnisse in Hessen ergeben hat (vgl. Rhithrale fischökologische Zielerfüllung, Gewässerstruktur und Durchgängigkeit, K. Träbing und S. Theobald, WaWi 2/3 2016).

Richten kleine Wasserkraftanlagen mehr Schaden an als Nutzen?

Wasserkraft ist vollständig ökologisch unbedenklich, wenn sie mit den richtigen begleitenden Maßnahmen eingesetzt wird (Fischschutz, aquatische Durchgängigkeit, naturnahe Gestaltung des Wasserlaufs, …)

Schäden von Wasserkraftanlagen können nur Veränderungen durch die Stauhaltungen und die Verletzung oder Tötung von Fischen in Turbinen sein. Das Verhältnis von Nutzen, also der Bereitstellung von stetigem, regionalem und regererativem Strom, zum Eingriff in Natur und Umwelt ist bei keiner grundlastfähigen Stromerzeugungsmetode derart hoch wie bei der Wasserkraft.

Zu den Stauhaltungen durch Querbauwerke:

In Hessen gibt es rund 18.000 Wanderhindernisse. Dies sind menschengemachte Querbauwerke im Gewässer unterschiedlicher Art und Größe, welche alle mehr oder weniger große Stauhaltungen zur Folge haben. In Hessen existieren jedoch nur 623 Wasserkraftanlagen. Die weitaus größte Zahl der Querbauwerke bestehen also ohne jegliche Wasserkraftnutzung und haben andere Gründe bzw. anderen Nutzen. In diesem Zusammenhang erscheint die Wasserkraft also vollkommen nachrangig, was die Veränderung der Gewässer durch Querbauwerke angeht. Schaut man genauer hin, so befinden sich die allermeisten Wasserkraftanlagen in Siedlungsgebieten wie der Ortslagen, in Gewerbe- oder Industriegebieten, da sie in früheren Jahrhunderten oft den "Keim" der Besiedelung, der wirtschaftlichen Entwicklung oder der Industrialisierung darstellten. Diese mit der Wasserkraftanlage verbundenen Stauhaltungen - es sind nur ca. 550 in Hessen, da eine Stauhaltung oft von mehreren Wasserkraftanlagen genutzt wird - haben jedoch weitere wichtige Funktionen. Grundsätzlich sorgen sie durch die Wasserrückhaltung für eine funktionierende Verbindung mit dem Grundwasserkörper der Aue und haben daher gerade in abflussarmen Zeiten eine große Bedeutung für die Trinkwassergewinnung, die Landwirtschaft und das regionale Klima. Innerhalb der urbanen Gebiete kommen zusätzliche Bedeutungen wie Standsicherheit von Bauwerken und Gebäuden, Hochwasserschutz durch Energieabbau bei Hochwasser und Vermeidung von Tiefenerosion hinzu. Auch wenn die Querbauwerke einen erheblichen Eingriff in unsere Gewässer darstellen, so sind sie unausweichlich, da sich unsere Siedlungsgebiete und gerade gute landwirtschaftlich genutzte Flächen zu einem großen Teil in der ehemaligen Auenlandschaften befinden und die Querbauwerke die Besiedelung und damit die Nutzung der Auen erst ermöglichten. Sie sind also zum weitaus größten Teil aus anderen Gründen als der Wasserkraftnutzung nicht rückbaubar und sollten daher in jedem Fall auch für die Wasserkraft genutzt werden.

 

Querbauwerke mit Wasserkraftnutzung stellen im Hinblick auf die Geschiebedynamik, also die Geschiebe- und Sedimentabfuhr aus dem Rückstaubereich, einen Vorteil gegenüber Querbauwerken ohne Wasserkraftnutzung dar. Durch die Wasserkraftanlage und den Leerschuss wird Sediment und Geschiebe in das Unterwasser abgeführt, während es sich bei einem Querbauwerk ohne Wasserkraftnutzung im Oberwasser vermehrt anlagert.

 

Insbesondere kleine Anlagen integrieren sich seit Jahrhunderten in unsere Kulturlandschaft und tragen mit den Wehren und den Betriebsgräben zu wertvollen Habitatflächen bei. Ohne die Verzweigungen von Mühlgräben wären unsere Flüsse bedingt durch Städtebau, Siedlungswirtschaft, Landwirtschaft und Infrastruktur wie Straßen, Autobahnen, Bahntrassen u.v.m. lediglich Einbettgerinne. Mühl- bzw. Betriebsgräben stellen in einer Kulturlandschaft oftmals notwendige Rückzugshabitate für das aquatische Leben dar. Dies gilt insbesondere bei Niedrig- und Hochwasser, was bedingt durch den Klimawandel vermehrt auftritt. Damit tragen die Stauhaltungen teils erheblich zur Strukturvielfalt der Gewässer bei. Die Bewirtschaftung der Mühlgräben und Stauhaltungen sorgen zudem für einen besseren Fischbestand, was durch Studien auf der Grundlage von amtlichen Befischungen des HLNUG (vgl. Träbing) belegt ist. In dem trockenen Sommer 2018 haben gerade in Forellen- und Äschenregionen die Mühlgräben und Stauhaltungen einen noch größeren Verlust der Fischbestände verhindert.

 

Nun zu den Verletzungen und Tötungen von Fischen an Wasserkraftanlagen:

Die Zahl der Wasserkraftanlagen, welche eine Gefahr für Fische darstellen hat in den letzten 10 Jahren rapide abgenommen.

An modernisierten Anlagen ist der Fischschutz so gut, dass die Anlagen keinen negativen Einfluss auf den Fischbestand mehr haben. Die Techniken bzgl. Fischschutz und Fischabstieg sind mit dem Feinrechen mit Leitfunktion und vollkommen gefahrlosem Fischabstieg derart weit entwickelt, dass ein negativer Einfluss auf den Fischbestand auszuschließen ist. Dies gilt auch im Hinblick auf Langdistanzwanderfische wie den Lachs und den Aal und eine Kette von modernisierten bzw. neuen Wasserkraftanlagen.

Kleine Wasserkraftanlagen sind oft mit moderneren Fischwegen und Fischschutz ausgestattet, während bei großen Anlagen > 1 MW die Investition in eine ökologische Modernisierung oft noch gescheut wird und eine Turbinenpassage eher die Regel ist.

 

Zu dem Nutzen der Kleinwasserkraft:

 

Gerade Wasserkraft eignet sich besonders zum Einsatz in kleinen Maßstab. Lediglich fünf Kleinwasserkraftanlagen mit einer Leistung < 50 KW erzeugen gemeinsam 1 GWh stetigen, regionalen Stromes und versorgen damit im Mittel ca. 280 Haushalte mit 3 Pers. Die Reduktion von Abfall und Emissionen im Vergleich zum deutschen Strommix beträgt dabei jedes Jahr:

– Kohlendioxid 576 t                   Quelle: BMU 2012

– Schwefeldioxid 28 t                  Quelle: Hohmeyer Berlin

– Flugasche und Schlacke          Quelle: 579 t Hohmeyer Berlin

– schwermetallige Stäube         Quelle: 868 kg Hohmeyer Berlin

– Grundwasser 8 Mio l                Quelle: Hohmeyer Berlin

– radioaktiver Abfall 700 g        Quelle: Lichtblick 2014

Rohstoffeinsparung im Vergleich zum Kohlestrom bei derzeitigem deutschem Kraftwerkspark

Bei der Produktion mit Steinkohle:

SKE / Petrolkoks 323 t              Quelle: Hans-Dieter Schilling

oder bei der Produktion durch Braunkohle:

Braunkohleäquivalent 970 t      Quelle: Hans-Dieter Schilling

 

Da der stetige Wasserkraftstrom in Deutschland zum allergrößten Teil nur durch Kohlestrom ausgeglichen werden kann, vermeiden diese fünf Mühlen also durch ihre Stromerzeugung den Verbrauch von 160 Lkw-Sattelschlepper-Ladungen Braunkohle mit allen zusätzlichen Eingriffen des Braunkohleabbaus in Natur und Umwelt.

 

Es ist nach derzeitigem Stand der Technik zumindest in Deutschland nicht möglich, mit einem geringeren Eingriff in Natur und Umwelt als mit Wasserkraft diesen stetigen, erneuerbaren, regionalen und klimafreundlichen Strom zu erzeugen.